little germany

18 11 2010

ja da war ich heute abend. zumindest hat es sich fast so angefühlt – aber vor allem angehört. meine liebe kollegin valérie (vater franzose, mutter chinesin, großeltern aus dem elsass – was für eine mischung!) hat vor ein paar semestern mal ein bisschen deutsch gelernt. das will sie jetzt wieder auffrischen. immer wenn wir uns also im sender sehen, sprechen wir deutsch.

doch das reicht der guten nicht. deshalb hat sie eine möglichkeit aufgetan, um noch mehr deutsch zu sprechen und zu hören: den stammtisch. der stammtisch findet wöchentlich in einer bar in montréal statt und wird, wie ich heute feststellen durfte, ziemlich rege besucht. da sitzen also ein paar dutzend kanadier, die deutsch lernen wollen bzw. schon ziemlich gut können, und einige deutsche studis und language assistants und dann wird fleißig palavert.

alles auf deutsch. versteht sich von selbst. und weil dort jeder wissbegierig ist, hieß das für mich: deutsche verben konjugieren, die letzten beiden fußball weltmeisterschaften im detail nacherzählen, das deutsche wahlsystem erklären und noch einen kleinen schwenker in richtung europäische union unternehmen.

es ist wirklich komisch, in einer bar ein paar tausend kilometer entfernt zu sitzen und dann ausschließlich deutsche laute um einen herum zu hören. das einzige problem: es gab dort nur schales bier und das auch noch aus pappbechern. aber: deutsche wären keine deutschen, hätten wir uns nicht für eines der kommenden wochenenden in einer richtigen brauerei verabredet. und da – so haben die deutschen i.a. (in ausbildung) mir versichert – „schmeckt die biere fasst so gutt wie in deutscheland…“





worauf ich mich wirklich freue

16 11 2010

versteht mich jetzt bitte nicht falsch: ich mag kanada und ich mag québec. wirklich. nichtsdestotrotz: mit blick auf die mittlerweile überschaubare verbliebene zeit hier und die nicht mehr allzu ferne rückreise nach deutschland, sind mir ein paar dinge eingefallen, auf die ich mich (abgesehen vom wiedersehen mit familie und freunden) so richtig freue:

  • schwarzbrot
  • vernünftig isolierte fenster
  • rieslingschorle
  • ein bad, dessen heizung den namen auch verdient und in dessen dusche sich die wassertemperatur durch ein drehen am hahn auch tatsächlich korrigieren lässt
  • eine fahrt auf der autobahn mit einem europäischen auto und in einer mir angenehmen geschwindigkeit
  • leitungswasser, das nicht nach chlor riecht und schmeckt
  • weihnachtsmärkte mit glühweinständen
  • besteck und teller, die man nach dem essen nicht einfach wegwirft
  • fußball im tv
  • brezeln
  • unfreundliche bedienungen, die mich sitzen lassen wo ich will, die die bestellung aufnehmen, sie bringen, mich nicht fragen wie es mir geht und mir die rechnung bringen, nachdem ich sie mindestens dreimal darauf aufmerksam gemacht habe und nicht wenn mein glas gerade halbleer ist
  • mit dem bier vor der kneipe zu stehen
  • nicht immer nur zwischen gekochtem schinken und putenbrust wählen zu können
  • speisen, die auch tatsächlich gesalzen wurden
  • ein voll funktionsfähiges iphone
  • radio wortbeiträge, die maximal zwei minuten lang sind – und auf deutsch
  • den duft einer bäckerei
  • durch und durch deutsches fastfood: currywurst, pizza und döner
  • ein handballspiel in der pfalzhalle
  • computer, deren menüs nicht von natur aus auf französisch eingestellt sind

die reihenfolge der nennungen impliziert keine wertung





office hours

10 11 2010

der deutsche und der (neue) belgier übernehmen so langsam unsere kleine radiostation – und tragen deutsch-belgisches kulturgut in die welt. was das wohl sein könnte? nun ja, belgien ist ja vor allem bekannt für pommes und pralinen. es gibt aber auch ein exportgut und die liebe zu eben diesem, die unsere beiden länder teilen: bier.

zum wohl!

nachdem die kleine sendung heute früher als gewohnt vorbei war (sondersendung im anschluss, die unsere show hat 60 minuten sendezeit einbüßen lassen), war der nachmittag relativ ruhig. außerdem: wer will direkt im anschluss schon über die sendung der nächsten woche nachdenken? ist ja schließlich noch massig zeit…

also ward die idee geboren: lasst uns doch ein bier trinken gehen. gedacht, geteilt, getan. und so haben sich ein belgier, zwei französinnen und ein deutscher um kurz nach vier in die nächste kneipe aufgemacht, um den harten arbeitstag mit ein, zwei bier zu beschließen.

es war aber keine normale kneipe. das ding hatte ein angeschlossenes brauhaus mit qualitativ durchaus ansprechenden produkten. also gab es helles und weißbier – sogar ganz stilecht in vernünftigen gläsern. so sollten viel mehr arbeitstage enden…





heimat in der ferne

7 11 2010

ach, was wäre die welt ohne unsere allseits so beliebten deutschen produkte? welche autos würden die reichen, mächtigen und schönen dieser welt wohl fahren? auf welche technologien und maschinen würde die industrie wohl zurückgreifen? von welchem bier würden die menschen schwärmen? mit welchem lustigen akzent sollten die filmbösewichte denn dann sprechen? ich schweife ab…

bei den alltagsprodukten vertraut der kanadier in der regel dann doch aber meist eher den heimischen erzeugnissen. aber manchmal, ja manchmal verirrt sich auch ein deutsches markenprodukt ins regal. ich denke da an dr. oetker tiefkühlpizza, nivea-creme, gerolsteiner mineralwasser, werthers echte, bitburger und becks – gerade letztere in den in deutschland fast nicht mehr bekannten 0,5 liter-dosen (erinnerungen!) oder noch ungewöhnlicheren 0,75 liter-flaschen.

hin und wieder schleichen sich aber produkte ins sortiment, die meiner meinung nach nur vorgeben, deutsche produkte zu sein und deren „deutsche“ namen so gar keinen sinn machen. mein lieblingsbeispiel: der angebliche deutsche qualitätswein aus dem supermarkt. aufkellereien. what the fuck?! was freue ich mich mal wieder auf einen vernünftigen pfälzer riesling zum anständigen preis!

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montréal und alkohol III

3 11 2010

über die montréaler und ihre zwiespältige beziehung zum alkohol habe ich ja schon geschrieben. dieser tage habe ich aber was erlebt, das jedem deutschen restaurant-besitzer wohl ein debil-mitleidiges lächeln ins gesicht treibt.

ja, in unserem restaurant gibt es alkohol - aber nur wenn ihn die gäste selbst mitbringen...

wir waren in einem italienischen restaurant essen. alle tische schön eingedeckt: tischdecke, besteck, weingläser – alles was eben so dazugehört. als dann der kellner kam, um die bestellung aufzunehmen, hat er uns gefragt, ob wir nicht einen wein trinken wollen. da uns der sinn aber eher nach leckeren softdrinks stand, haben wir abgelehnt. der gute hat dann die gläser abgeräumt und alles war gut.

komisch war allerdings, dass die anderen restaurantgäste allesamt mit einer flasche wein unterm arm das restaurant betreten haben. die flaschen sind dann aus der gäste- in die kellner-hand gewandert. der hat sie dann geöffnet, den gästen eingeschenkt und die flasche (je nach sorte) in den kühler oder auf den tisch gestellt.

wir haben uns dann mal schlau gemacht und erfahren: es gibt restaurants, die keine ausschanklizenz besitzen. für die gäste bedeutet das: wein muss im speziellen laden um die ecke gekauft und ins restaurant mitgebracht werden. dort öffnet der kellner dann und schenkt aus – natürlich alles gegen eine kleine gebühr. aber: der laden selbst verkauft keinen alkohol…





bayern ist allgegenwärtig

26 10 2010

jetzt schreibt der pfälzer schon wieder über die bayern! ja, ja, ja… aber dieses mal geht es nicht um meine herkunft, sondern um bayerische eigenheiten, die hier sehr beliebt und für viele wohl „typisch deutsch“ sind. ich spreche vom (wichtigsten?) deutschen exportgut: bier.

auch wenn das münchner oktoberfest schon lange vorbei ist, denkt man hier: oktoberfest – das muss doch im oktober stattfinden! ich war dieser tage in zwei restaurants, die auf ihren tischen immer ihre werbe-aufsteller für ihre hausinternen oktoberfeste hatten.

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aber vorsicht: wo oktoberfest draufsteht, ist nicht immer oktoberfest drin! zumindest nicht unbedingt das, was man als deutscher darunter versteht. richtig große biergläser – fehlanzeige. deutsches bier – fehlanzeige. deutsch/bayerische spezialitäten – fehlanzeige.

es gibt montréaler bier (und dank vieler, vieler kleiner brauereien vor ort ist die auswahl richtig groß) und dazu werden dann eben die typisch nordamerikanischen spezialitäten gereicht: burger, pommes, wraps… das ist eben das, was man hier unter „deftiger küche“ versteht.

immerhin: vielleicht kommt man so um die mitunter „gewöhnungsbedürftige“ aber eigentlich obligatorische bayerische blaskapelle rum…





andi auf linie

13 10 2010

der pfälzer besuch ist da! nach einem großkampftag im sender habe ich es dann heute endlich geschafft, mich mit judith und freya zu treffen. ach, was ist es schön mal wieder heimische laute zu hören. live – nicht nur via skype.

und nicht nur das: nach meinem münchen-fiasko, das ich mir on air geleistet habe, haben mir die beiden damen den kopf wieder gerade gerückt und mich wieder auf linie gebracht. voller stolz kann ich jetzt deshalb den mir verliehenen anstecker tragen!

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doch mit dem pin war noch lange nicht schluss: es gab sogar original haßloch-schokolade! ein traum! ich werde sie in ehre halten und dann ganz feierlich genießen, wenn das heimweh irgendwann mal so richtig zuschlagen sollte. vielen herzlichen dank! außerdem nicht zu vergessen: es wurden unzählige umarmer, drücker undwasweißichnichtnochalles weitergegeben. hierfür herzlichen dank in die heimat!

wobei ich zur schokolade dann doch noch etwas anmerken muss: es ist eine fair gehandelte schokolade, verpackt in einer haßloch-hülle. aber was musste ich erfahren? billige ausländische arbeitskräfte aus dem benachbarten ausland (iggelheim) haben die verpackungsarbeit übernommen…

zur feier des tages waren wir übrigens in einem brauhaus. anstatt schweinsbraten, haxe oder knödeln gab es zwar „nur“ einen wrap mit pommes – dafür kam das bier in großen gläsern. ich habe auf der karte sogar einen stein entdeckt!

es sind eben doch die kleinen dinge im leben…





montréal und alkohol II

5 10 2010

eigentlich hätte dieser beitrag auch phantastisch in die rubrik „da schmunzelt der deutsche“ gepasst. oder in die noch zu schaffende rubrik „da weint der deutsche“. wir waren am wochenende mit einem halben dutzend kollegen in einer bar (ja, dieses mal war es tatsächlich eine richtige bar und kein getarntes restaurant), um den abschied meiner deutschen radio-kollegin zu feiern.

wohl bekomm's!

dass das ding tatsächlich eine bar war, wurde uns schon am eingang klar: ausweiskontrolle. das war dann doch ein wenig deprimierend für mich: während sämtliche mitgänger ihre ausweise zeigen mussten, wurde ich mit einem läppischen „c’est ok“ durchgewunken, na, vielen dank! die jugend ist jetzt wohl endgültig vorbei…

im inneren dann eine studi-kneipe auf gefühlten fünf etagen – überall tresen, tische, flachbildschirme und laute musik und draußen eine mehrgeschossige terrasse. ganz genau so, wie man es aus den amerikanischen college-filmen kennt.

einmal drin war es dann nicht wirklich ein problem, ein bier zu bekommen. aber die art und weise wie es serviert wird, befremdet den deutschen dann doch schon. wir haben uns einen pitcher bier geholt (für alle unkundigen: ein 1,89 liter plastik-krug). erstaunlich: es hat nicht mal zehn dollar gekostet!

aber jetzt kommt’s: in was schenkt man das bier dann ein? gläser? fehlanzeige.

plastikbecher!

und jetzt nicht dieses stabile hartplatik-zeugs. nein, die billigsten plastikbecher, die man auf dem markt finden kann. zu allem überfluss auch noch bedruckt mit „bud light“.

wohl bekomm’s!





montréal und alkohol

1 10 2010

ja, ja… der alkohol. das ist in kanada so eine sache. ich habe zwar den eindruck, dass man hier in montréal und québec etwas entspannter mit diesem thema umgeht als im rest des landes – von europäischen verhältnissen ist man aber weit entfernt.

ich hatte dieser tage ein sehr schönes erlebnis. in einer bar. wie ich beim bierholen allerdings herausfinden musste, war es gar keine bar, sondern eigentlich ein restaurant. das hat man dem laden aber nicht unbedingt angesehen, da alle besucher standen, ihr jeweiliges glas in der hand hatten und ganz laut grölend zu michael-jackson-songs und old-school-hip-hop getanzt haben.

für mich eindeutige bar-indizien und genau die gründe, warum wir in diese „bar“ gegangen sind.

ich kämpfe mich also an die theke durch und bestelle zwei bier. der nette herr hinter der theke schaut mich erstaunt an: „seid ihr touristen?“ um eine lange und komplizierte erklärung zu vermeiden, habe ich kurzerhand einfach mit „ja“ geantwortet und auf einen speziellen ausländer-touristen-bonus gehofft.

die dame, die neben ihm stand, hat das gehört und kurzerhand zum anlass genommen, sämtliche besucher lautstark auf den umstand aufmerksam zu machen, dass hier deutsche unter den gästen sind. es wurde wohlwollend und mit einem lautstarken „all glasses up in the air!“ und einem höflichen in-die-runde-winken meinerseits quittiert.

das aber nur am rande.

der barkeeper hat mich nach meiner bestellung eingehend von oben bis unten gemustert, die theke geöffnet und zwei kleine carlsberg-fläschchen aus dem kühlschrank geholt.

dabei hat er mir erklärt, dass sein laden keine bar, sondern ein restaurant sei. und in einem restaurant bekomme man eigentlich nur alkohol, wenn man auch was esse. zum reinen alkoholausschank fehle ihm die lizenz. da ich aber so einen netten eindruck mache und er mir glaube, dass ich ein tourist und kein polizist sei, gebe er mir trotzdem die beiden biere – auch wenn das natürlich HOCHGRADIG illegal sei! damit ich trotzdem etwas esse, hat er mir noch zwei kleine cupcakes in die hand gedrückt.

im weiteren verlauf des abends haben wir dann herausgefunden, warum die leute in dem laden so gut drauf waren. wir haben nämlich sophie besser kennengelernt. sophie ist die dame, die mich von der bar aus so dezent allen übrigen besuchern vorgestellt hat. sie hat gerade mit ihrem verlobten und einigen freunde ihre verlobung gefeiert. und zwar ordentlich.

plötzlich waren wir also mittendrin in der verlobungsgesellschaft, haben reisetipps, telefonnummern, facebook-freundschaften, ein zweites bier und wasweißichnichtnochalles bekommen.

für bier nummer drei hat es dann aber nicht mehr gereicht – irgendwann muss mit dieser gesetzesbrecherei ja auch mal schluss sein. und der restaurantbesitzer wollte auch irgendwann mal feierabend machen: „wenn du noch ein bier willst, dann musst du wirklich in eine bar gehen!“

ach ja, immer diese touristen…