das hochfest halloween

30 10 2010

am wochenende ist feierwochenende in ganz kanada: halloween. in deutschland eigentlich nicht mehr als eine randnotiz (abgesehen von den ganzen halloween-partys, die in den vergangenen jahren immer mehr zugenommen haben), ist dieses fest hier wohl das größte überhaupt. hier werden vorgärten mit kürbissen, gefakten spinnweben, grabsteinen und skeletten dekoriert, dass es nur so kracht.

aber das ist beim besten willen noch nicht alles. das passende kostüm ist hier wirkich essentiell. um das zu bekommen, muss man einfach in einen laden um die ecke gehen und schon kann man sich mit allem nötigen (und vor allem unnötigen) krimskrams eindecken.

gibt's hier was geschenkt?

oder man geht in einen speziellen laden, der ausschließlich rund um halloween seine türen öffnet, und shoppt dort. für die kanadier scheint das wohl die beliebteste option zu sein. ich bin dieser tage an einem dieser shops vorbei gelaufen und ich bin vor lauter staunen fast über den nächsten mülleimer gefallen!

 

der laden selbst war proppenvoll und vor der tür stand eine menschenschlange von ungelogen 50 metern länge! alle wollten da rein! jetzt gibt zwei möglichkeiten: entweder ist dieser laden der hippste halloween-laden schlechthin oder die kanadier sind einfach unglaublich halloween-geil. ich tippe auf letzteres. das letzte mal, dass es in deutschland solche schlangen gab, war wohl, als die ersten bananen in die ddr geliefert wurden!

ich werde von diesem ganzen halloween-trubel aber wohl nicht allzu viel mitkriegen. am wochenende ist nämlich wieder reisezeit. mit dem auto geht es rund drei stunden gen norden – nach québec city, die hauptstadt unserer gleichnamigen provinz und wenn ich recht weiß, dann ist dieses städtchen jetzt nicht unbedingt als partyhochburg verschrien..! mal schauen.

schönes wochenende nach deutschland!

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strangest interview ever

29 10 2010

ich muss etwas vorweg schicken: kanadische radiointerviews, gerade die interviews hier bei radio centre-ville, kann man nicht unbedingt mit deutschen interviews vergleichen. während es bei uns gerne mal heißt „du darfst über alles sprechen – nur nicht über 90 sekunden“, ist man hier „etwas großzügiger“. will heißen: interviews zwischen acht und zwölf minuten dauer sind hier ganz normal.

an dieser stelle kann sich jeder von euch gerne ausrechnen, wie die relation wort – musik im detail ausschaut: in einer 90 minütigen sendung gibt es insgesamt sechs interviews. wer rechnen kann, der merkt, dass da nicht mehr viel platz für musik bleibt: 60 minuten interviews, sechs minuten werbung, moderationen…

wie auch immer: ich habe heute ein interview zum thema „energie sparen in den eigenen vier wänden“ gemacht. dachte ich zumindest. die arbeit der organisation, mit der ich gesprochen habe, sieht folgendermaßen aus: man ruft dort an, macht einen termin aus, dann kommen zwei techniker vorbei, untersuchen haus oder wohnung auf herz und nieren und geben anschließend tipps, was man tun kann, um weniger wärme zu verlieren.

für den deutschen bedeutet das natürlich sofort: super – weniger wärmeverlust, weniger energieverbrauch, weniger heizkosten – alles gut für die umwelt…

für den kanadier bedeutet das nichts dergleichen.

das ist dann tendenziell ein bisschen blöd, weil ich sämtliche fragen unter der prämisse „gut für die umwelt, gut für den geldbeutel“ vorbereitet hatte. das ging dann halt mal gründlich in die hose. die antworten waren nämlich ziemlich einsilbig. und als ich nachgehakt habe „da spart man doch aber geld und tut was gutes für die umwelt“ kam als antwort nur „ja, ja… das stimmt schon… aber in erster linie geht es uns um eine verbesserung des wohnkomforts während des kalten winters hier in montréal!“ tja, da denkt man halt wohl ein wenig unterschiedlich auf den beiden seiten des atlantiks.

ich hab jetzt auf jeden fall die verwendbaren passagen herausgepickt und lande letztlich bei 4:47 minuten. wenn schon nicht beim umweltschutz, dann herrschen doch wenigstens bei der interview-länge mal deutsche (radio-) verhältnisse.





mit dem bixi durch die stadt

28 10 2010

um sämtlichen verwirrungen vorzubeugen, will ich gleich vorweg erklären, dass ein bixi nichts mit einer mobilen toilettenkabine zu tun hat. man kann auf einem bixi zwar auch sitzen und es ein mobiler gegenstand – das war’s dann aber auch schon mit den gemeinsamkeiten zwischen bixi und dem allseits bekannten und beliebten dixi.

wobei: beliebt sind die bixis auch… egal! das war’s jetzt wirklich mit den gemeinsamkeiten.

was so ein vertauschter buchstabe nicht alles ausmachen kann… an dieser stelle gerne ein ausflug in die sprachwissenschaft: der linguist spricht in solchen fällen von einem minimalpaar.

bei einem bixi handelt es sich – vielen dank an die ach so kreativen kanadischen wortschöpfer – um fahrräder, die man sich an fast jeder montréaler straßenecke mieten kann. bixi ist dabei – linguistik-freaks bitte nochmal aufgepasst – ein blending oder sogenanntes kofferwort aus bicycle und taxi. kapiert? fahrrad und taxi machen bixi. klar, oder?

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auf jeden fall stehen diese bixis zu tausenden in speziellen ständern in der ganzen stadt. dank kreditkarte kann sich der geneigte radtourist aber auch oder vor allem der einheimische so ein bixi aus der halterung ziehen und dann damit kreuz und quer durch die ausgesprochen fahrradfreundliche stadt montréal touren.

ok, „ausgesprochen fahrradfreundlich“ war jetzt vielleicht ein euphimismus, da es außer fahrradständern in ausreichender zahl und unglaublich vielen radlern nicht unbedingt viele indizien gibt, die für die fahrradfreundlichkeit montréals sprechen… ein erster schritt wäre vielleicht einfach mal der bau von ein paar mehr radwegen. aber da kommt jetzt wohl wieder der deutsche in mir durch.

man kann sich also wo auch immer man auf so einen bixi-ständer stößt ein fahrrad ausleihen, damit durch die stadt radeln und es dann am nächsten bixi-ständer einfach wieder zurückgeben. und den ganzen tag fahren pick-ups mit riesigen anhängern durch die stadt, um die leeren bixi-ständer wieder aufzufüllen.

einen haken hat die bixi-geschichte meines erachtens allerdings: der grundbetrag liegt bei fünf dollar. darin enthalten ist eine halbe stunde fahrradnutzung. dazu kommen 1,50 dollar für die zweite halbe stunde, drei dollar für die dritte halbe stunde und sechs dollar für jede weitere halbe stunde. so hab ich das zumindest verstanden. und ich muss feststellen: auf die dauer geht das ganz schön ins geld.

vor allem: in den nutzungsbedingungen steht, dass sich die bixi-verleihfirma vorbehält, die kreditkarte des mieters mit 250 dollar pfand pro fahrrad zu belasten – über einen zeitraum „between 3 to 10 days depending on your financial institution“. da frag ich mich doch: mit was verdienen die bixi-verleiher eigentlich ihr geld? fahrradvermietung oder zinsgewinnen?

wie auch immer: heute wäre wohl ein idealer bixi-tag gewesen. wir hatten fast 20 grad, strahlend blauen himmel und herrlichen sonnenschein. nicht schlecht, wenn ich daran denke, dass ich am wochenende meine dicken socken, handschuhe und ein mützchen gebraucht habe. mal schauen, welche überraschungen das wetter in den nächsten tagen und wochen bereit halten wird…





off topic – lady gaga acoustic

27 10 2010

ich bin ja wirklich kein großer lady-gaga-fan – und das hätte ich ihr wirklich nicht zugetraut…

 





got to go big

27 10 2010

hui, mittlerweile ist es schon ziemlich spät in kanada – und schon wieder fast mitten am vormittag in deutschland. höchste zeit also für einen blogeintrag!

dienstag ist in montréal kinotag. das wurde natürlich ausgenutzt und ab gings ins „social network“. wirklich sehenswert. genauso wie die snack-angebote, die im kino feilgeboten werden (schönes wort, das viel zu selten verwendet wird): wo es an deutschen kinotresen popcorn, nachos, süßigkeiten und softdrinks gibt, ist der kanadier ein wenig anspruchsvoller. natürlich gibt es auch sämtliche der vorgenannten angebote – allerdings in leichter variation: zum einen ist alles ein paar nummern größer, zum anderen kommt das popcorn mit salz und butter. gewöhnungsbedürftig aber sehr lecker.

was das kanadische angebot dann aber doch wirklich vom deutschen unterscheidet: am popcorn-tresen kann man auch pommes, hot dogs und sogar poutine (das montréaler leibgericht: pommes mit schmieriger käsesauce) kaufen. da es aber vor filmbeginn schon einen leckeren burrito gab, hab ich mich dann doch ans popcorn gehalten.

ein kleines zeitproblem gab es dann nach dem film: ende war um kurz vor mitternacht und an einem normalen wochentag fährt die metro nur bis 00.30 uhr! da hieß es dann unterwegs „fix umsteigen“ – ansonsten: geschmeidiger fußmarsch oder eben eine taxifahrt. und das hätte dann doch den ganzen kinotag-spareffekt vollkommen konterkariert…





bayern ist allgegenwärtig

26 10 2010

jetzt schreibt der pfälzer schon wieder über die bayern! ja, ja, ja… aber dieses mal geht es nicht um meine herkunft, sondern um bayerische eigenheiten, die hier sehr beliebt und für viele wohl „typisch deutsch“ sind. ich spreche vom (wichtigsten?) deutschen exportgut: bier.

auch wenn das münchner oktoberfest schon lange vorbei ist, denkt man hier: oktoberfest – das muss doch im oktober stattfinden! ich war dieser tage in zwei restaurants, die auf ihren tischen immer ihre werbe-aufsteller für ihre hausinternen oktoberfeste hatten.

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aber vorsicht: wo oktoberfest draufsteht, ist nicht immer oktoberfest drin! zumindest nicht unbedingt das, was man als deutscher darunter versteht. richtig große biergläser – fehlanzeige. deutsches bier – fehlanzeige. deutsch/bayerische spezialitäten – fehlanzeige.

es gibt montréaler bier (und dank vieler, vieler kleiner brauereien vor ort ist die auswahl richtig groß) und dazu werden dann eben die typisch nordamerikanischen spezialitäten gereicht: burger, pommes, wraps… das ist eben das, was man hier unter „deftiger küche“ versteht.

immerhin: vielleicht kommt man so um die mitunter „gewöhnungsbedürftige“ aber eigentlich obligatorische bayerische blaskapelle rum…





der bürgersteig muss weg – teil II

25 10 2010

vor genau einer woche war der musikvideodreh zum nachbarschaftsstreit mein thema (bürgersteig mitten auf der straße und so…). heute ist er es wieder. denn: der dreh ging heute in die zweite runde. wir waren im tonstudio. schließlich braucht es für ein musikvideo ja nicht nur die passenden bilder, sondern auch die passende musik!

und wenn die kanadier was machen, dann machen sie es richtig! mit sack und pack kam heute ein teil der bürgerinitivative ins studio und dann wurde gesungen und gespielt. aber nicht irgendwie larifari – nein, das war professionell! wie ich nämlich gelernt habe, nimmt normalerweise arcade fire (für alle, die es schon vergessen haben: die montréaler band schlechthin!) dort auf. heute standen studio und toningenieur nur für uns zur verfügung.

die fäden in der hand hatte matt – in den 80ern selbst erfolgreicher musiker und noch immer eine „coole sau“. er hat band und chor für den einsatz im studio trainiert und es hat sich wirklich ausgezahlt. egal ob grundschulkind, abiturient oder hausfrau – alle haben im studio gerockt und aus vollem hals gesungen. und das wirklich nicht mal schlecht. der song ging wirklich ins ohr. ich bin ja unendlich auf das fertig produkt gespannt!

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natürlich habe ich die gelegenheit genutzt und mein kleines aufnahmegerät laufen lassen und interviews aufgezeichnet – und ich war nicht der einzige: neben dem musikvideo-team waren ein tv-team, drei radioreporter und ein pressefotograf da. wirklich wahnsinn zu sehen, wie eine bürgerinitiative mit einer lustigen idee ihre eigenen leute sowie die ganze pressemeute mobilisieren kann.

und das beste: jeder arbeitet mit herzblut und „für umme“ an dem projekt. bei einer normalen kalkulation wären für die ganze arbeit rund 10.000 dollar fällig. dank der vielen freiwilligen und ihrer kontakte belaufen sich die kosten auf null. wahnsinn! auch so kann politischer protest aussehen – und spaß machen!

wer das endprodukt gar nicht abwarten kann, für den stelle ich schon mal ein paar lyrics online. viel spaß beim lesen und summen. achja: eine facebook-gruppe zum thema gibt’s auch. und dort gibts sogar bilder von mir während der arbeit: www.facebook.com/devilshill.

im studio stand natürlich auch ein klavier. bis die band angerückt ist, konnte ich das ein wenig bearbeiten. wie schön. und wer weiß: vielleicht habe ich jetzt sogar auf dem klavier gespielt, mit dem sonst arcade fire aufnehmen? oh mann – so schnell werde ich mir die hände nicht mehr waschen…

hier noch die versprochenen lyrics:

We are your neighbors, through & through
We live here just like you
You’ve done some things to make us feel
make us feel so blue
You’ve closed the road and we can’t get through
We know we matter too
It seems you want your own little town
Even though safety says … take that blockade down!

Take that blockade down … do, do, do, do
People make a town … do, do, do, do
Enlevez la barricade … do, do, do, do
Safety forever … and we say
Help us sing our song … Blockades are wrong!

Enlevez la barricade!
Enlevez la barricade!

On se voisine , de bord en bord
D’ici – égaux daccord?
Vos actes sont posés sans remord
Fermer notr‘ rue bat le reccord
Cloison fermée pour votr‘ p’tit fief?
Non , sécurité crie “Encore un grief!”

Enlevez la barricade … do, do, do, do
Ensemble une bourgade … do, do, do, do
Enlevez cette facade … do, do, do ,do
La sécurité d’abord
Chantons ensemble cette chanson
Les barricades ca n’a rien de bon!

Enlevez la barricade!
Enlevez la barricade!








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