interkulturelles lernen

11 10 2010

wenn das so weitergeht, dann beantrage ich den titel „botschafter der bundesrepublik deutschland h.c.“ oder ganz einfach „honorarkonsul“. ich kann mit beiden titeln leben. da will ich mal gar nicht so sein. auf dem zukünftigen briefkopf machen sich beide gut.

warum ich meine, diese ehrung verdient zu haben? mein aufenthalt in montréal hat binnen weniger wochen schon mehr für die völkerverständigung und die positive veränderung des deutschland-bilds im ausland getan als die gesamte bildungsarbeit des goethe instituts!

ja, meine bescheidenheit ist eine tugend, die mich wirklich auszeichnet. manchmal muss die wahrheit aber eben einfach gesagt werden!

grafik: auswärtiges amt

da wären zum einen meine verdienste um die förderung deutscher popmusik im ausland. bisher war deutsche musik hier in den meisten fällen gleichbedeutend mit rammstein oder vielleicht auch noch kraftwerk. dank meines unermüdlichen einsatzes sind jetzt aber auch schon clueso, die söhne mannheims, olli schulz, die fantastischen vier, philipp poisel und im zusammenhang mit der deutschen einheit auch die unvermeidlichen scorpions (sorry dafür) bekannt. und das ist ja erst der anfang! für weitere vorschläge seitens der leserschaft bin ich natürlich offen.

die deutsche popindustrie kann sich später bei mir bedanken. es wird wohl noch ein bisschen dauern, bis die verkaufszahlen der vorgenannten in kanada in die höhe schießen. aber wenn das schließlich irgendwann passiert, dann sicherlich mit dreistelligen zuwachsraten!

außerdem bin ich stets darum bemüht, deutsches brauchtum in der fremde vorzuleben und zu erklären. das geht natürlich eng einher mit der vermittlung der deutschen sprache: „frühschoppen“, „rieslingschorle“, „o’zapft is“ – all das geht meiner lieben mitbewohnerin myriam mittlerweile fast schon flüssig über die lippen. ihren lieblingsausdruck nicht zu vergessen: „komm du mir nach hause!“ dabei schaut sie dann auch noch ganz grimmig. das hat sie wirklich verinnerlicht…

und was das brauchtum angeht: die gute myriam ist jetzt ganz heiß aufs oktoberfest – selbstverständlich stilecht im entsprechenden „dirrrrndeelllee“ (puh, es war eine schwere geburt, bis sie das aussprechen konnte…). ich hab ihr also mal locker flockig erklärt, dass zur wiesn-zeit seit 200 jahren ein paar millionen menschen zusammenkommen, die während der paar tage 6.000.000 liter bier trinken und 500.000 brathändel essen. das hat sie nachhaltig beeindruckt.

an den verständnis-feinheiten müssen wir allerdings noch feilen: sie wollte mir partout nicht abnehmen, dass es bei so einer veranstaltung um ein kulturgut geht. sie hat aus den bildern, die ich ihr gezeigt habe, den getrunkenen biermengen und meinen beschreibungen irrtümlich das fazit gezogen: „ok, im endeffekt geht es doch eigentlich nur ums saufen, oder?“ an diesem (kurz-) schluss müssen wir noch arbeiten…

und last but keinesfalls least zeichne ich durch mein vorbildliches verhalten ein ganz neues bild der deutschen. meine kollegen (kanadisch und französisch) erkennen, dass nicht alle deutschen verbissene, humorlose, ausschließlich auf ein ziel fixierte, knallhart effiziente menschen sind.

wie ich ihnen das näher bringe?

  • ich esse um 14.30 uhr zu mittag und nicht schon wieder um 18 uhr zu abend
  • ich reserviere keinen sitzplatz in der redaktion, indem ich ein handtuch auf einen freien bürostuhl lege
  • während der hitzewelle-phase ende august/anfang september habe ich flip-flops getragen und keine weißen tennis-socken in hässlichen sandalen
  • ich mache schlechte witze in gebrochenem französisch
  • ich komme ein wenig später zur arbeit und gehe dafür ein bisschen früher

ob dieser zahlreichen verdienste habe ich mir deshalb erlaubt, einfach mal folgende zeilen ans auswärtige amt aufzusetzen:

sehr geehrter herr doktor westerwelle,

bitte schicken sie doch meine ernennungsurkunde zum „botschafter der bundesrepublik deutschland h.c.“ oder „honorarkonsul“ in die rue marie-anne est, montréal (das haus mit der blauen tür – der postbote weiß dann schon bescheid!).

die begründung, weshalb ich für diese titel in frage komme, können sie jederzeit auf meinem blog andiontour.wordpress.com nachlesen. bei bedarf liste ich sie allerdings gerne nochmals gesondert in einer detaillierten zusammenstellung auf.

sollte die übersendung der ernennungsurkunde per post wider erwarten nicht möglich sein, dann wäre ich selbstverständlich auch gerne bereit, die würdigung bei entsprechender reisekostenerstattung persönlich im auswärtigen amt in berlin entgegen zu nehmen.

oder sie kommen einfach bei mir hier vorbei. ein kurzfristiges treffen ließe sich ohne weiteres einrichten. kanada ist sehr schön im herbst. da ließen sich dienst- und urlaubsreise trefflich verknüpfen. wenn ich ihren terminplan richtig lese, dann sind sie ab heute ja ohnehin bei den vereinten nationen in new york. montréal ist da gerade um die ecke. oder ich komme nach new york? alles kann, nichts muss!

na, wie sieht’s aus?

hochachtungsvoll

a.w.

also wenn das nicht klappt, dann weiß ich auch nicht…

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