time to say good bye

9 12 2010

die tage des abschieds sind gekommen. heute ist der bye-bye-marathon gestartet – mit einem netten abend bei einer meiner französischen kolleginnen. québécois, franzosen, belgier, griechen, deutsche – alle vereint im babylonischen sprachenwirrwarr und gemeinsam beim crêpes essen und becks bier trinken. herrlich!

der tag hat übrigens damit begonnen, dass ich mich mit american airlines um meinen verschollenen koffer streiten durfte. schließlich und endlich kam er dann heute nachmittag an. geliefert an die haustür und ohne schäden oder verluste. ich glaube fast, ich muss das gute stück gar nicht mehr aus-, sondern einfach nur noch umpacken.

winter? ja, so könnte man es durchaus bezeichnen...

auch wenn die tage in montréal mittlerweile gezählt sind, habe ich mir dann heute nachmittag doch noch einen dieser tage essentiellen kanadischen ausrüstungsgegenstand gekauft: boots. ohne dergleichen kann man hier wirklich nicht mehr vor die türe treten. die stadt versinkt im schnee. heute mittag wurde er zum teil sogar von lastwagen abtransportiert. und wenn ich „lastwagen“ schreibe, dann meine ich die riesigen geschosse, die wirklich ein paar tonnen ladung verkraften.

im schuhgeschäft hat sich übrigens meine klamotten-leidensgeschichte fortgesetzt: ich versuche seit ein paar wochen nämlich vergebens jeans zu kaufen. in meiner größe sind die einfach nicht vorhanden. und ich war mittlerweile in gut einem dutzend geschäften! der nette schuhverkäufer hat mich deshalb heute auch nur mitleidig angeschaut: „junge, du brauchst wirklich boots – aber wir haben keine in deiner größe!“ ich habe mir schon gedacht, dass ich entweder 50 pfund zunehme oder mir 10 zentimeter bein abhacke. und wenn das beil schon draußen ist, dann kann ich wohl auch gleich mit den füßen weitermachen…

der gute verkäufer hat mich dann aber in einen anderen laden geschickt (verbunden mit einem 15-minütigen fußmarsch, der sich mit deutschen halbschuhen ein wenig schwierig gestaltete). und tatsache: die hatten die gewünschten boots auch tatsächlich in meiner größe! ich hab also zugeschlagen und auf empfehlung des verkäufers auch gleich angelassen. er hatte beim blick auf meine alten schuhe wirklich nur noch mitleid übrig…

und weil es der winter so gut mit uns meint (höchsttemperatur heute: -9 grad, tiefsttemperatur morgen: -14 grad, nächste woche: -22 grad), höre ich schon den ganzen tag robert charlebois. der stammt aus montréal und weiß wovon er singt. für alle interessierten ein video mit text zum mitlesen.

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mit dem bixi durch die stadt

28 10 2010

um sämtlichen verwirrungen vorzubeugen, will ich gleich vorweg erklären, dass ein bixi nichts mit einer mobilen toilettenkabine zu tun hat. man kann auf einem bixi zwar auch sitzen und es ein mobiler gegenstand – das war’s dann aber auch schon mit den gemeinsamkeiten zwischen bixi und dem allseits bekannten und beliebten dixi.

wobei: beliebt sind die bixis auch… egal! das war’s jetzt wirklich mit den gemeinsamkeiten.

was so ein vertauschter buchstabe nicht alles ausmachen kann… an dieser stelle gerne ein ausflug in die sprachwissenschaft: der linguist spricht in solchen fällen von einem minimalpaar.

bei einem bixi handelt es sich – vielen dank an die ach so kreativen kanadischen wortschöpfer – um fahrräder, die man sich an fast jeder montréaler straßenecke mieten kann. bixi ist dabei – linguistik-freaks bitte nochmal aufgepasst – ein blending oder sogenanntes kofferwort aus bicycle und taxi. kapiert? fahrrad und taxi machen bixi. klar, oder?

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auf jeden fall stehen diese bixis zu tausenden in speziellen ständern in der ganzen stadt. dank kreditkarte kann sich der geneigte radtourist aber auch oder vor allem der einheimische so ein bixi aus der halterung ziehen und dann damit kreuz und quer durch die ausgesprochen fahrradfreundliche stadt montréal touren.

ok, „ausgesprochen fahrradfreundlich“ war jetzt vielleicht ein euphimismus, da es außer fahrradständern in ausreichender zahl und unglaublich vielen radlern nicht unbedingt viele indizien gibt, die für die fahrradfreundlichkeit montréals sprechen… ein erster schritt wäre vielleicht einfach mal der bau von ein paar mehr radwegen. aber da kommt jetzt wohl wieder der deutsche in mir durch.

man kann sich also wo auch immer man auf so einen bixi-ständer stößt ein fahrrad ausleihen, damit durch die stadt radeln und es dann am nächsten bixi-ständer einfach wieder zurückgeben. und den ganzen tag fahren pick-ups mit riesigen anhängern durch die stadt, um die leeren bixi-ständer wieder aufzufüllen.

einen haken hat die bixi-geschichte meines erachtens allerdings: der grundbetrag liegt bei fünf dollar. darin enthalten ist eine halbe stunde fahrradnutzung. dazu kommen 1,50 dollar für die zweite halbe stunde, drei dollar für die dritte halbe stunde und sechs dollar für jede weitere halbe stunde. so hab ich das zumindest verstanden. und ich muss feststellen: auf die dauer geht das ganz schön ins geld.

vor allem: in den nutzungsbedingungen steht, dass sich die bixi-verleihfirma vorbehält, die kreditkarte des mieters mit 250 dollar pfand pro fahrrad zu belasten – über einen zeitraum „between 3 to 10 days depending on your financial institution“. da frag ich mich doch: mit was verdienen die bixi-verleiher eigentlich ihr geld? fahrradvermietung oder zinsgewinnen?

wie auch immer: heute wäre wohl ein idealer bixi-tag gewesen. wir hatten fast 20 grad, strahlend blauen himmel und herrlichen sonnenschein. nicht schlecht, wenn ich daran denke, dass ich am wochenende meine dicken socken, handschuhe und ein mützchen gebraucht habe. mal schauen, welche überraschungen das wetter in den nächsten tagen und wochen bereit halten wird…





krasse karren – teil III

26 09 2010

heute allerdings (fast) ohne krasse karren. dafür geht’s um ihren natürlichen lebensraum: die rennstrecke. mitten im sankt-lorenz-strom und damit direkt bei der stadt liegt die künstliche ile notre-dame. und über diese insel schlängelt sich auf fast 4,4 kilometern länge der circuit gilles villeneuve. benannt nach dem ehemaligen kanadischen formel-1-rennfahrer (für alle insider: gleichzeitig auch vater des ex-schumacher-konkurrenten jacques villeneuve).

heute ging’s dort allerdings ganz friedlich zu: keine heulenden motoren, kein benzin-geruch und nach verbranntem gummi hat es auch nicht gestunken. stattdessen war der kurs für radfahrer, inliner und fußgänger freigegeben. und ein paar autos durften auch darauf rumfahren – allerdings nur unter den strengen augen des gesetzes (siehe bilder – sehr spaßig, wie ich finde).

es ist schon lustig auf so einer start- und zielgeraden bzw. auf der pole zu stehen und dabei den blick von (früher hätte ich an dieser stelle „schumi“ geschrieben. immerhin hat der hier sieben mal gewonnen.) sebastian vettel zu haben. es ist aber schon ein wenig beängstigend zu sehen,  wie eng so eine rennstrecke tatsächlich ist! also ich wollte da nicht mit 300 km/h an der mauer vorbei blasen. da die strecke nämlich wie beschrieben auf einer insel liegt, ist es mit auslaufzonen nicht allzu weit her…

meine lieblingsbilder: die doch ein wenig niedrig angesetzte geschwindigkeitsbegrenzung, die angekündigten radar-kontrollen und das halteverbot. ich gebe zu, das erwartet man jetzt nicht unbedingt auf einer rennstrecke…

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auferstanden aus ruinen

12 09 2010

nicht, dass jetzt hier ob der überschrift ein falscher eindruck entsteht. nein, ich war gestern abend nicht bis in die puppen unterwegs. ich habe heute das olympiagelände von 1976 besucht. dort war ich über die flaggen vor dem olympiastadion erstaunt. um es vorweg zu nehmen: es geht in diesem beitrag tatsächlich um die deutsche demokratische republik.

da sind vor dem olympiastadion doch tatsächlich noch immer die fahnen aller nationen gehisst, die während der 76er spiele mindestens eine goldmedaille gewonnen haben. und was hängt da neben der deutschen fahne? die DDR-flagge! wer’s nicht glaubt – siehe foto! irgendwie ergeht es der DDR-fahne dort ganz ähnlich wie der republik vor 20 jahren: während die deutsche fahne im wind flattert, hat sich die der DDR schön um den pfosten gewickelt…

wer keine ahnung hat, wovon der alte mann da jetzt redet und was es mit diesen ominösen ruinen auf sich hat – einfach mal HIER für die musikalische erklärung klicken.

für alle haßlocher habe ich übrigens noch ein spezielles foto gemacht. vielleicht erinnert ihr euch, dass wir in haßloch tatsächlich eine radrennbahn haben – ok, hatten. so richtig benutzt wird das ding ja nicht mehr. auf jeden fall ist sie nach gregor braun, dem „bär von der weinstraße“, benannt. und der war gerade hier in montréal sehr erfolgreich. deshalb ist er hier auch noch immer verewigt. die gregor braun infos gibt’s HIER.

ansonsten: dieses ganze olympiagelände ist schon beeindruckend – aber auch irgendwie bedrückend. wir standen tatsächlich ganz alleine mit unserer tourguide in diesem riesigen, vollkommen leeren olympiastadion, das mittlerweile überdacht ist. normalerweise hat’s dort platz für 76.000 menschen – heute waren wir zu dritt da drin. das ding steht da also einfach und wird nur von zeit zu zeit mal für irgendwelche veranstaltungen genutzt (allerdings weniger für konzerte, weil das echo da drin unglaublich nervig ist). die baseballmannschaft wurde nach washington verkauft, weil nicht mehr genug leute zu den spielen kamen, die eishockeyer spielen in einem anderen stadion und die städtischen football- und fußball-teams können das riesending auch nicht voll machen. ach ja: im winter ist es eh gesperrt, weil die dachkonstruktion und die kanadischen temperaturen/schneefälle sich nicht allzu gut verstehen.

was aber wirklich beeindruckend ist: der schiefe turm von montréal. das ding ist über 150 meter hoch, hält das dach und lässt sich mit einem fahrstuhl erklimmen. haben wir natürlich gemacht und dabei auch gelernt: das ist der größte und höchste schiefe turm der welt! während der turm in pisa eine neigung von fünf grad hat, sind es hier tatsählich 45 grad. schon crazy – aber der blick von da oben ist fantastisch. übrigens: die pyramiden im hintergrund waren mal das olympische dorf…

zum schluss einfach noch ein paar lustige splitter der tages:

  • die ehemalige fahrradrennbahn ist jetzt ein kleiner indoorzoo. dort leben fische, vögel, insekten undwasweißichnichtnochalles. leider konnten wir nicht rein. oton unserer tourguide: „they are on strike. since three months.“ meine frage „who? the fish or the people working there?“, hat die gute frau dann großzügig überhört.
  • in kanadischen parkhäusern gibt es komische geschwindigkeitsbegrenzungen (siehe fotos).
  • die spiele in montréal haben wirklich vor langer, langer zeit stattgefunden – da wurde tatsächlich noch auf film fotografiert. die werbung dafür hängt noch heute dort (siehe fotos).

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