mit dem bixi durch die stadt

28 10 2010

um sämtlichen verwirrungen vorzubeugen, will ich gleich vorweg erklären, dass ein bixi nichts mit einer mobilen toilettenkabine zu tun hat. man kann auf einem bixi zwar auch sitzen und es ein mobiler gegenstand – das war’s dann aber auch schon mit den gemeinsamkeiten zwischen bixi und dem allseits bekannten und beliebten dixi.

wobei: beliebt sind die bixis auch… egal! das war’s jetzt wirklich mit den gemeinsamkeiten.

was so ein vertauschter buchstabe nicht alles ausmachen kann… an dieser stelle gerne ein ausflug in die sprachwissenschaft: der linguist spricht in solchen fällen von einem minimalpaar.

bei einem bixi handelt es sich – vielen dank an die ach so kreativen kanadischen wortschöpfer – um fahrräder, die man sich an fast jeder montréaler straßenecke mieten kann. bixi ist dabei – linguistik-freaks bitte nochmal aufgepasst – ein blending oder sogenanntes kofferwort aus bicycle und taxi. kapiert? fahrrad und taxi machen bixi. klar, oder?

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auf jeden fall stehen diese bixis zu tausenden in speziellen ständern in der ganzen stadt. dank kreditkarte kann sich der geneigte radtourist aber auch oder vor allem der einheimische so ein bixi aus der halterung ziehen und dann damit kreuz und quer durch die ausgesprochen fahrradfreundliche stadt montréal touren.

ok, „ausgesprochen fahrradfreundlich“ war jetzt vielleicht ein euphimismus, da es außer fahrradständern in ausreichender zahl und unglaublich vielen radlern nicht unbedingt viele indizien gibt, die für die fahrradfreundlichkeit montréals sprechen… ein erster schritt wäre vielleicht einfach mal der bau von ein paar mehr radwegen. aber da kommt jetzt wohl wieder der deutsche in mir durch.

man kann sich also wo auch immer man auf so einen bixi-ständer stößt ein fahrrad ausleihen, damit durch die stadt radeln und es dann am nächsten bixi-ständer einfach wieder zurückgeben. und den ganzen tag fahren pick-ups mit riesigen anhängern durch die stadt, um die leeren bixi-ständer wieder aufzufüllen.

einen haken hat die bixi-geschichte meines erachtens allerdings: der grundbetrag liegt bei fünf dollar. darin enthalten ist eine halbe stunde fahrradnutzung. dazu kommen 1,50 dollar für die zweite halbe stunde, drei dollar für die dritte halbe stunde und sechs dollar für jede weitere halbe stunde. so hab ich das zumindest verstanden. und ich muss feststellen: auf die dauer geht das ganz schön ins geld.

vor allem: in den nutzungsbedingungen steht, dass sich die bixi-verleihfirma vorbehält, die kreditkarte des mieters mit 250 dollar pfand pro fahrrad zu belasten – über einen zeitraum „between 3 to 10 days depending on your financial institution“. da frag ich mich doch: mit was verdienen die bixi-verleiher eigentlich ihr geld? fahrradvermietung oder zinsgewinnen?

wie auch immer: heute wäre wohl ein idealer bixi-tag gewesen. wir hatten fast 20 grad, strahlend blauen himmel und herrlichen sonnenschein. nicht schlecht, wenn ich daran denke, dass ich am wochenende meine dicken socken, handschuhe und ein mützchen gebraucht habe. mal schauen, welche überraschungen das wetter in den nächsten tagen und wochen bereit halten wird…

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„wir sind keine kleinen amerikaner!!!“

19 10 2010

wenn es nach der dame geht, von der dieser ausspruch stammt, dann müsste ich wohl noch ein paar mehr ausrufezeichen hinter ihren satz packen. wie ihr seht: heute wird’s politisch. die rolle der französischen sprache in kanada. und ich merke an dieser stelle einfach zur erinnerung an: québec ist nicht kanada!

mein chef hat mich auf eine demonstration geschickt. die technischen details vorab: mein aufnahmegerät hat mich im stich gelassen, wenn es funktioniert hat, dann war es so windig, dass es mir die o-töne versemmelt hat und schweinekalt war es obendrein. soviel zum erfolg meines einsatzes.

montréaler herbst: protest gegen das gesetz 103

jetzt aber zum inhaltlichen: meine herren, ich hatte ja viel erwartet – aber das? was eigentlich ganz harmlos klingt, trifft den überzeugten québecer mitten ins herz. es ging um la loi 103 – das gesetz 103. das zu erklären ist nicht ganz einfach, ich versuche es aber trotzdem einmal.

die qua verfassung festgelegte landessprache québecs ist das französische. doch in der vergangenheit ist die französische dominanz stark ins wanken geraten. das englische hat in beruf und alltag immer mehr zugenommen. die wurzel allen übels sahen die stolzen québecer in einer ausnahmeregelung. die sprach-gesetze sahen vor, dass man der englischsprachigen minderheit in québec entgegenkommt, indem man folgendes zugesteht:

kinder dürfen auf eine staatlich finanzierte englischsprachige schule gehen, wenn

  • sie oder ihre geschwister bereits einen teil ihrer bildung an einer englischsprachigen schule erworben haben oder
  • mindestens ein elternteil des kindes anglophoner kanadier ist und seine bildung an einer englischsprachigen schule erworben hat.

soweit verstanden? gut. jetzt wird’s nämlich noch komplizierter.

immer mehr menschen haben diese regelung unterlaufen, indem sie ihre kinder für ein schuljahr (zum teil auch nur einige wenige monate) auf eine englischsprachige privatschule geschickt haben. damit hat das kind für sich und alle seine geschwister das recht auf eine weitere ausbildung an einer staatlich finanzierten englischsprachigen schulbildung erworben.

montréaler herbst: das französisch muss bleiben

im klartext: die ausbildung wurde immer häufiger an einer englischsprachigen privatschule begonnen und von den eltern bezahlt. dann wurde sie aber an einer englischsprachigen, vom staat québec finanzierten schule fortgesetzt. was also ursprünglich als entgegenkommen für die anglophone minderheit gedacht war, hat auch immer mehr französischsprachigen und vor allem zugewanderten québecern gefallen und sie haben die regelung systematisch unterlaufen. die québecer wurden also immer mehr von englisch-sprechenden menschen unterwandert und haben das auch noch bezahlt.

deshalb wurde im jahr 2002 ein gesetz verabschiedet, das das unterlaufen der ursprünglichen regelung erschweren bzw. unmöglich machen soll, um so die rolle des französischen zu stärken. laut statistiken (bereitgestellt von den französisch-befürwortern) hat das französische in montréal stark abgenommen: war es 1986 noch für 59,9 prozent der montréaler die muttersprache, sprachen 2006 nur noch 49,8 prozent der montréaler französisch als erste sprache. im übrigen québec war der französisch-rückgang übrigens nicht so stark ausgeprägt – dort sanken die werte im gleichen zeitraum von 82,9 prozent auf 79,6 prozent.

am 22. oktober 2009 hat der oberste kanadische gerichtshof (wohlgemerkt: nicht der québecer, sondern der kanadische gerichtshof in der hauptstadt ottawa) den québecern ihre modifizierte sprach-gesetzgebung untersagt. man dürfe vereinfacht gesagt das englische nicht so stiefmütterlich behandeln.

außerdem hat der gerichtshof eine frist bis zur umsetzung eingeräumt: genau ein jahr. wer also rechnen kann, der stellt fest: 22. oktober 2009 plus ein jahr – das ist ja ganz bald.

deshalb hat die québecer regierung das gesetz 103 auf den weg gebracht, das mit dem urteil des obersten kanadischen gerichtshofs im einklang steht, den alten umweg über die privatschule wieder erlaubt – und weite teile der eigenen bevölkerung absolut empört.

als offizielles argument wird ins feld geführt, dass gerade reiche familien sich eine englische ausbildung ihrer kinder erkaufen können und damit eine zweiklassengesellschaft entstehe. in wahrheit geht es aber um viel, viel mehr. die québecer sind äußerst stolz auf sich, ihre herkunft, ihre identität und vor allem ihre sprache. sie sind schließlich die einzige französischsprachige gruppe in ganz nordamerika. und aus dieser perspektive schauen sie auch gerne auf den rest kanadas.

montréaler herbst: "wir wollen keine kleinen amerikaner sein" - und wohl auch keine kanadier

so auch eine meiner gesprächspartnerinnen heute abend. sie hat mir erklärt: „die kanadier (man bemerke an dieser stelle die wortwahl! man versteht sich hier wirklich nicht als kanadier, sondern als québecer!) haben keine eigene identität. sie sind nur ‚kleine amerikaner‘. wenn wir hier unsere sprache aufgeben, dann werden wir auch kleine amerikaner – und das wollen wir nicht!“

 

und so ging es bei der demo heute richtig rund: ich würde schätzen, dass bei ekelhaftem wetter rund 2000 menschen im montréaler stadtzentrum versammelt waren. alle ausgestattet mit protest-aufklebern, großen fahnen und protest-schildern, eingepeitscht von prominenten vorkämpfern der franzöischen sache. ich habe auch des öfteren „vive le québec libre!“ (es lebe das unabhängige québec!) gelesen und gehört.

irgendwann hat es sogar einfach ausgereicht nur den namen „jean charest“, amtierender ministerpräsident québecs und führer der québec liberal party, zu nennen, um die menge zum buhen zu bringen. die integrationsdebatte läuft also im moment nicht nur in deutschland auf hochtouren!

in so einem umfeld ist es für einen ausländischen journalisten dann gar nicht so einfach, zu arbeiten. dank meines akzents war natürlich jeder zunächst einmal skeptisch, ob ich nicht doch ein heimlicher „anglophoner spion“ sei. ich konnte dann aber immer glaubhaft versichern, dass ich für einen französischen sender arbeite. sobald das geklärt war, habe ich dann auch bereitwillig auskunft erhalten – ohne dass jemand ein blatt vor den mund genommen hätte. ich bin gespannt, ob mein aufnahmegerät das tatsächlich alles mitgeschnitten hat. ich bezweifle es.

als schließlich die batterien ihren geist aufgegeben haben und ich vollkommen durchgefroren war, hab ich mich auf den heimweg gemacht. aber nicht direkt. auf diesen kulturschock musste ich erst einmal etwas essen. ich bin dann unterwegs kurzerhand in einem ur-québer restaurant eingekehrt. seine tür zierte ein großes goldenes m…

ps: leider konnte ich keine besseren bilder machen – ich hatte nur mein handy dabei.





regen von oben, unten und der seite

16 10 2010

pfälzer besuch, forrest gump, bratwurst-streit, ein daniederliegender öffentlicher personennahverkehr – eine ereignisreiche woche geht zu ende.

zu meiner großen freude durfte ich diese woche haßlocher besuch im schönen montréal begrüßen. feiertagsbedingt war die arbeitswoche allerdings kürzer als sonst – die arbeit aber trotzdem im normalen rahmen. naja… zum gemeinsamen abendessen hat es immerhin immer gereicht.

außerdem waren die pfälzer damen eine große unterstützung im seit tagen schwelenden bratwurst-streit. an dieser stelle danke ich den zahlreichen blog-, facebook- und e-mail-kommentatoren für ihre zumeist pro-pfälzer-broodworschd-kommentare. allerdings musste ich auch feststellen, dass ich

  • dann doch ein paar patriotische franken kenne, die mir hier wohl in die parade fahren wollen;
  • so manche freundschaft wohl nochmals überdenken sollte;
  • die noch schweigenden hardcore pfälzer mal zu einer äußerung bewegen muss!

heute sind die haßlocher schließlich abgereist. mich hat das ein bisschen, den lieben petrus wohl sehr traurig gemacht. er konnte auf jeden fall gar nicht mehr aufhören zu weinen. und einen üblen husten hatte er wohl auch. dauerregen und windböen sind eine unschöne kombination. ich habe mich auf dem weg zur arbeit und nach hause ein bisschen wie forrest gump in vietnam gefühlt.

wer sich nicht mehr daran erinnert: im video einfach mal bis 2:10 spulen. ungefähr so kam ich mir heute vor. nur eben ohne vietnam.

meine lektion des tages: ein qualitätsregenschirm muss her. vielleicht auch noch ein paar regenhosen. und ich habe mir zwischenzeitlich wirklich überlegt, ob ich mir nicht auch noch ein paar gefütterte gummistiefel zulegen sollte. schweinekalt war’s nämlich obendrein. ich hoffe mal, dass das nicht so bleiben wird.

da war ja auch noch die geschichte mit dem daniederliegenden öffentlichen nahverkehr. was genau passiert ist? ich kann es nicht sagen. ich komme auf dem weg zur arbeit in die métro-station, sehe, dass meine bahn noch steht, renne die treppen runter und hechte in den noch wartenden zug. und dann passierte nichts. gar nichts. für die nächsten zehn minuten.

ok, „gar nichts“ stimmt nicht: zuerst ging das werbelaufband im wagen aus, dann die eine hälfte der lichter, dann die andere und schließlich der motor des zugs. ich bin dann irgendwann wieder ausgestiegen, um mit einem bus zu fahren. da kam aber auch keiner. also bin ich dann mal schön gen sender marschiert. soll ja gesund sein. auf dem heimweg am abend ging dann wieder alles.

es war aber interessant zu sehen, mit welcher gelassenheit der gemeine montréaler auf derartige ereignisse reagiert. während in deutschland wohl der komplette zug in kollektives meckern und aufregen verfallen wäre, wurden hier eben einfach die zeitungen, bücher und ipods aus den taschen gezogen. jetzt hat man ja mal ein bisschen zeit. gaaaanz entspannt!

in diesem sinne: schönes wochenende!





eine haarige angelegenheit

10 10 2010

ich habe letzte woche vom an-der-bar-ohne-ausweis-zeigen-zu-müssen-durchgewunken-werden berichtet. wer es nicht mehr weiß, der kann gerne hier nachlesen. vielleicht hat das ja einen handfesten grund. ich glaube, ich habe ihn ausmachen können: mein bartwuchs.

leider hat mein deutscher bartschneider seinen geist aufgegeben. er lässt sich einfach nicht mehr laden. dementsprechend augenfällig ist meine derzeitige gesichtsbehaarung. ich bin jetzt wirklich am überlegen, für welche der folgenden alternativen ich mich entscheiden soll:

  • ich lege mir einen kanadischen bartschneider zu, den ich dann vor meiner abreise in einer geste unendlicher güte einem betroffenen einheimischen vermache. in deutschland kann man dank der anderen netzspannung und des anderen steckers ja nichts damit anfangen – ansonsten würde mein deutsches exemplar hier ja auch noch funktionieren…
  • ich lasse den bart einfach weiter wachsen – schließlich sinken die temperaturen beständig in richtung keller. da kann man das üppigere gesichtshaar gegen die kälte bestimmt ganz gut gebrauchen…
  • ich greife zum nassrasierer und mache dem ganzen elend ein ende. problem: das war es dann definitiv mit dem an-der-bar-ohne-ausweis-zeigen-zu-müssen-durchgewunken-werden. dann geben die mir meinen ausweis mit den worten „fake ID“ zurück. garantiert!
  • ich lasse mir einen heiner-brand-gedächtnisbart oder eine porno-matte auf der oberlippe stehen. sooo üppig ist er dann doch noch nicht, als dass ich dem großmeister des schnauzbarts konkurrenz machen könnte…

was soll ich tun? antworten sind gefragt! an dieser stelle sei aber angemerkt: keine garantie auf befolgung des leserwunsches… und damit keiner bescheißen kann, könnt ihr auch nur einmal abstimmen.





grün, rot, gold

4 10 2010

feiertag in deutschland – ausflugstag in kanada! das hieß heute: auto mieten, raus vor die tore der stadt und dann einfach natur pur genießen.

wie sich das für tüchtige ausflügler gehört, hat heute morgen um 6.30 uhr der wecker geklingelt und dann gings auch schon los. per metro und expressbus mussten wir heute nämlich bis raus an den flughafen. sonntags scheinen alle autovermieter in montréal ausgebucht zu sein! die einzige station, die noch wagen verfügbar hatte: die avis-station am flughafen.

nach einer halben weltreise sind wir dann heute morgen dort angekommen, haben ein auto und dieses mal auch ohne probleme ein navi bekommen und dann gings auch schon los. gen norden, richtung nationalpark mont tremblant. da waren wir vor zwei wochen zwar schon einmal. allerdings war da noch alles grün.

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da wir mittlerweile aber schon fast nachtfrost haben (und morgens um 6.30 uhr die temperaturen nur knapp über dem gefrierpunkt liegen) hat die blattfärbung eingesetzt. wer im moment durch laubwälder fährt und läuft, der ist mittendrin im grün-rot-goldenen farbenmeer. das ist einfach der wahnsinn! solche farbenpracht habe ich in deutschland noch nie gesehen. es scheint fast, als hätte jemand sämtliche rot-, gelb- und orange-töne, die sich im farbenkasten finden lassen, ausgekramt und damit die blätter eingefärbt. einfach fantastisch! und das alles natürlich eingebettet in feinste kanadische natur- und seen-landschaften.

und weil wir dieses großartige schauspiel nicht nur aus dem auto heraus genießen wollten, sind wir natürlich auch ausgestiegen und gewandert. „geklettert“ wäre wohl fast der bessere ausdruck. es ging nämlich eine skipiste nach oben – nicht per gondel wie die anderen luschen, sondern zu fuß!

wer weiß, vielleicht geht es ja mit den temperaturen weiter so rapide abwärts und dann können wir demnächst noch ein drittes mal zum mont tremblant fahren – dann geht’s die berge aber mit der gondel nach oben und den skiern nach unten. yeeha! und dann will ich auch einmal in einem dieser unglaublich künstlich wirkenden hotels (siehe fotos) schlafen…





fast food und freudentränen

20 09 2010

mit so einer formvollendeten alliteration könnte ich – wenn es nach stefan niggemeier geht (für alle, die es nicht sehen: dieser einschub ist ein link. also ruhig mal draufklicken.) – definitv bei spiegel online anfangen. aber wollen wir mal nicht über die zukunft spekulieren, widmen wir uns lieber dem hier und heute.

ok, ich kann’s nicht lassen mit den alliterationen… sorry.

für leute mit ausgeprägtem sinn für political correctness möchte ich an dieser stelle noch anmerken: die letzten beiden absätze bitte nicht lesen. ihr verpasst (fast) nichts und habt trotzdem einen überblick über meinen tag.

mein SONNtag hat heute wirklich journalisten-unfreundlich früh angefangen: sieben uhr aufstehen, mietwagen zurückbringen. aber: mein stopp an der tankstelle hat mich für alles entschädigt. 30 liter gingen in den tank, bezahlt habe ich dafür 30,61 CAD. das sind nach heutigem wechselkurs – bitte festhalten: 22.69 euro. wahnsinn! hier kostet der liter sprit wirklich nicht mehr als 75-80 (euro-)cent. da treibt es einem an der zapfsäule wirklich fast freudentränen in die augen!

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habe ich dieser tage übrigens den beginn des kanadischen herbstes ausgerufen?  ich nehme alles zurück und behaupte das gegenteil! wir hatten heute fantastisches spätsommerwetter: strahlenden sonnenschein, angenehme temperaturen und fast keine wolke am himmel. und ich habe heute abend tatsächlich einen veritablen sonnenbrand im gesicht…

den tag habe ich nämlich auf dem namensgebenden hausberg montréals verbracht: dem mont royal. mit 233 metern ist er der höchste punkt der stadt und bietet einen fantastischen panoramablick über selbige (anmerkung der redaktion: diese formulierung wurde bewusst und ausschließlich zur erheiterung von t. otto eingebaut). seit ein paar jahren besteht übrigens eine vorschrift, die bauten über 233 metern höhe verbietet. nichts soll den blick auf den berg versperren. auf dem gipfel steht ein 40 meter hohes gipfelkreuz, das bei nacht beleuchtet wird. da ich aber bei strahlendem sonnenschein unter tag da war, müsst ihr mir das jetzt einfach glauben und euch mit dem tag-foto begnügen oder diesem wikipedia-link folgen.

im park rund um den gipfel wimmelt es übrigens nur so von eichhörnchen. die sind fast schon ein wenig zu zutraulich. wenn es futter gibt, dann springen die sogar schon fast auf die hand. und da sind wir auch schon beim problem: ganz viele besucher füttern die tierchen mit allem, was sie gerade in der hand oder tasche oder handtasche haben. so auch die chinesische familie heute mittag. da gab’s für die tierchen dann eine doppelte portion nachos – keine ahnung ob natur, käse oder chili. im interesse der tiere hoffe ich auf jeden fall mal nicht letzteres…

fabienne war davon verständlicherweise so ganz und gar nicht angetan – sie machte sich wirklich sorgen um die gesundheit der tierchen. ich mir auch – allerdings aus anderen gründen. meine vermutung: wer bernhardiner isst, dem schmecken bestimmt auch eichhörnchen. ich musste die ganze zeit daran denken, dass die eichhörnchen mitten in der stadt wohl nicht allzu viele natürliche fressfeinde haben – außer vielleicht denen mit den geschlitzten augen.

und damit wären wir auch schon wieder bei der fast-food-alliteration vom anfang.





montréal ist nicht québec

19 09 2010

heute war klassenfahrt. ok, kleine klasse (zwei „schüler“), aber für deutsche verhältnisse große fahrt. fabienne und ich haben uns heute ein auto gemietet und dann ging’s ab gen norden. wobei – ganz so schnell ging’s dann doch nicht. leider hatte die avis-station keine navis mehr im angebot. blöd. also hat uns der gute vermiet-mann dann zur nächsten station geschickt – leider erfolglos. wir haben uns einen wolf gesucht, zig tausend menschen gefragt, wieder mit der ausgangsstation telefoniert – keiner konnte uns sagen wo diese besch… station ist. also haben wir uns ganz oldschool eine im maßstab viel zu groß dimensionierte québec-karte gekauft und sind mit dieser und einem u-bahn-plan auf eigene faust losgezogen.

und siehe da: wir kamen auf anhieb aus montréal raus und sogar ohne verfahren bis an unser ziel: den parc-national du mont-tremblant. der liegt ungefähr zwei stunden nördlich von montréal und bietet natur pur. herrlich! leider hat der indian summer noch nicht so richtig eingesetzt. die bäume sind also noch alle ziemlich grün, aber in spätestens zwei wochen dürfte das wohl ganz anders aussehen.

leider hat uns die erfolglose avis-stationssucherei einige zeit gekostet, so dass wir erst nachmittags am nationalpark angekommen sind als sich die sonne so langsam verzogen hat. trotzdem hat’s noch für ein picknick im freien, ein fußbad im fluss (ja, ich war da drin – auch wenn es mittlerweile schon ein wenig frisch ist. aber – den ramberg-hüttenaufenthalten sei dank – is der bub ja abgehärtet!) und einige meter laufen gereicht. das geile in dem park: irgendwann hört die geteerte straße einfach auf und es geht auf sand und schotter weiter. von den unterwegs-toiletten gar nicht zu sprechen.

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was wir aber feststellen mussten: je weiter man sich von montréal entfernt, desto rapider abwärts geht’s mit den englischkompetenzen der einheimischen. man könnte aber auch durchaus unterstellen, dass der wille, englisch zu sprechen, nicht sonderlich stark ausgeprägt ist. im supermarkt lief es jedenfalls ausschließlich auf französisch.

lustige begegnungen am rande: im park haben wir noch einen paddler mitgenommen, der zu seinem auto am eingang zurück musste, um damit seine familie im park abzuholen. der gute kam aus frankreich, arbeitet in kanada für einen deutschen autozulieferer aus nürnberg und konnte ein paar brocken deutsch. man muss hier wirklich aufpassen, was man sagt: entweder man trifft direkt auf deutsche oder auf menschen, die irgendwann, irgendwo, irgendwie mal ein paar brocken deutsch gelernt haben.

für mich weniger schön: am parkeingang hab ich mit der rangerin im kassenhäuschen in meinem besten französisch palavert – und was sagt die tante? „vous parlez bien le francais – avec un petit accent…“ ich glaub, es geht los! die lassen mich hier radio machen – da soll die mir nochmal was von akzent erzählen. pah!

achja: eigentlich wirklich zur genüge bekannt, trotzdem immer wieder komisch: kanadische highways und die tempolimits. diese dinger sind sechsspurig (!!), verfügen zusätzlich über insgesamt vier standspuren, haben in der mitte einen grünstreifen, der so breit ist wie eine komplette deutsche autobahn, und man kann gefühlte zehn kilometer weit schauen. trotzdem gilt hier tempo 100 (stundenkilometer – nicht meilen)!!! abgesehen davon, dass unsere komische nissan-automatik-schüssel nicht wirklich stark im anzug war, juckt es einen da doch schon ganz gehörig im fuß. vor allem, wenn man wie wir heute rund 500 kilometer runterspult.

ich habe ja den verdacht, dass die kanadische luftverkehrslobby da ihre finger im spiel hat und die leute mit diesen unglaublich niedrigen tempolimits zum fliegen „bewegen“ will. ist nur eine vermutung. hat aber eine gewisse logik. finde ich zumindest.

übrigens: wer glaubt, dass die problemlose hinfahrt ein zufall war, der irrt gewaltig. wir haben sogar bis zurück vor die haustür gefunden. bei nacht. wenn das mal nix ist!








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