von walen, dinosauriern und rindviechern

2 12 2010

liebe leser,

ihr habt soeben den ersten blogeintrag aus new york city vor der nase! seit heute morgen bin ich in dieser tollen stadt – auch wenn sie mich nicht allzu herzlich empfangen hat. aber der reihe nach. wir sind gestern abend mit dem greyhound-bus von montreal nach new york gestartet. und eigentlich dachten wir: dienstagabend, 23.45 uhr – da wird der bus schon nicht zu voll sein. doch denkste! der bus war fast bis auf den letzten sitzplatz ausgebucht. wie gut, dass man keine plätze reservieren kann, sondern eben ganz locker eine stunde vor abfahrt in der schlange stehen muss. während fahrgäste und taschen unseres nachbarbusses (ziel: boston) en detail kontrolliert wurden, durften wir ohne weiteres einsteigen.

fast pünktlich ging es dann ab gen süden und nach einer knappen stunde fahrzeit die erste überraschung: wir standen an der grenze! ich wusste zwar, dass montreal nicht allzu weit von den usa entfernt ist, aber dass wir soooo nahe sind…?!

für die ganze busbesatzung hieß das natürlich: aussteigen und kollektiv zur kontrolle ins grenzerhäuschen. dabei gilt: sämtliche taschen und handys müssen im bus bleiben! glücklicherweise hatten die grenzer richtig viel lust auf arbeit und haben zunächst original einen schalter für den kompletten bus geöffnet. der rest der beamten stand lieber herum und hat alle potentiellen usa-reisenden kritisch gemustert.

schließlich wurden dann nach und nach auch andere schalter geöffnet und so waren auch wir an der reihe – fabienne bei einem, ich bei einem anderen grenzer. der gute mann hat mir dann mein einreiseformular (auf deutsch!) in die hand gedrückt und mich „liebevoll“ gebeten, es auszufüllen.

als ich durch war, kam ich damit zurück an seinen schalter, doch er meinte nur: „damit müssen sie jetzt zum anderen kollegen gehen. ich habe dafür keinen zugang zum system.“ grenzer nummer zwei (fabiennes grenzer) hat mich dann herüber gewunken und es entwickelte sich folgender dialog:

grenzer: what nationality are you?
andi: german.
grenzer (ungläubig): nigerian?
andi (behutsam aber sehr deutlich): no, german.

ich musste mich in diesem moment wirklich zusammenreißen, um nicht zu sagen „don’t you think i am a little too pale to be nigerian?“. ich habe es mir im letzten moment verkniffen. war vielleicht auch besser so.

mister goodine, so meines grenzers name, wollte dann von mir wissen, woher genau ich denn käme.

andi (stolz): palatinate – in the south west.
grenzer: how far is that from frankfurt?
andi: it’s an one hour drive. actually it’s quite close to heidelberg…
grenzer (erfreut): ooohhhh…

von da an war das eis gebrochen. mister goodine war scheiße freundlich, hat mich mit ein paar brocken deutsch beglückt, mir erzählt, dass er unbedingt mal wieder nach deutschland muss und fortan auch fabienne sehr nett behandelt. ach ja, und er wollte unsere tickets „back to germany“ sehen – „actually i don’t care but my canadian colleagues do when you return because your status has expired by the day you’ll return.“ ich habe ihm dann erklärt, dass ich mir dessen bewusst wäre und deshalb auch schon mit der kanadischen immigration-behörde gesprochen hätte. ich bin also mal auf nächste woche gespannt.

auf jeden fall habe ich dann gemeinsam mit mister goodine meine erkennungsdienstliche erfassung absolviert: abnahme aller zehn fingerabdrücke, verbrecher-foto machen, meine genaue adresse in den staaten angeben und dann auch noch sechs dollar für den ganzen spaß bezahlen!

alles in allem hat es „nur“ eine gute stunde gedauert, bis unser gesamter bus abgefertigt war. aber als europäer fühlt man sich da im vergleich zu den kanadiern schon ein wenig diskriminiert. die zeigen ihren pass, beantworten ein, zwei fragen und können durchmarschieren. allerdings will ich gar nicht wissen was da wohl für ein theater veranstaltet wird, wenn du mit wucherndem vollbart und arabischem pass vor einem grenzbeamten stehst.

wir sind dann tatsächlich heute morgen um 8 uhr ortszeit in new york aufgeschlagen, mit dem taxi iu unserem hostel mitten in manhatten gefahren und haben dort festgestellt: check-in erst ab 15 uhr. immerhin konnten wir unsere koffer schon unterstellen und uns auf in die stadt machen. einziger haken: über new york tobte heute ein unwetter der massiveren sorte. 15 grad war, strömender regen und ein wind, der einem sowohl laufen als auch atmen fast unmöglich gemacht hat.

wir haben daraufhin beschlossen, den tag nicht im freien zu verbringen und sind ins american museum of natural history gefahren. das naturhistorische museum schlechthin. es erstreckt sich über insgesamt vier blocks, zeigt die geschichte von den dinos bis zur weltraumfahrt und es lässt sich dort wirklich spielend leicht ein ganzer tag verbringen. höhepunkte: die riesigen dino-skelette und der mitten im raum schwebende wal in originalgröße.

angeblich soll das wetter morgen zwar kälter aber dafür viel schöner werden. ich bin gespannt. daumen drücken!



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2 responses

2 12 2010
Markus

Hey, Andi! Sicher, dass Dein Über-Friseur Arnaud nicht still und heimlich die Höhensonne angeschaltet hatte, als er Dich frisierte? Das macht die Heimat Nigeria doch gleich glaubwürdig. Und noch was: Meinst Du irgendein Ami kann mit deutschen Regionen ernsthaft was anfangen, außer vielleicht mit „Bavaria“ des Saufens wegen und „Black Forest“ wegen der leckeren Torte, die auch noch stündlich Kuckuck macht, wenn man sie an der Wand trocknet.

2 12 2010
Markus M.

Andi, langsam mach ich mir Gedanken, ob wir nicht mal anfangen sollen, Kontakt zur Deutschen Botschaft aufzunehmen… Wenn sogar die US-Grenzer das Problem auf den ersten Blick sehen… ?! Nicht dass die lieben Grenzer dich nicht zurücklassen. 😉

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