kanada ist nicht gleich kanada…

18 09 2010

… und schon gar nicht die usa!

ja, ich lebe im moment in kanada. wobei – vielleicht sollte ich es ein wenig präzisieren. ich lebe in québec. außer mir wohnen noch rund 7,5 millionen andere menschen in dieser region – schön verteilt auf über 1,5 millionen quadratkilometer. das macht fünfkommairgendwas einwohner pro quadratkilometer. hier muss also wirklich niemand platzangst bekommen. tatsächlich liegt québec damit aber noch über dem kanadischen durchschnitt! in und um montreal sind es übrigens rund 3,5 millionen.

das internationale "stop" ist hier nicht sonderlich beliebt - weil englisch...zum vergleich: deutschland erstreckt sich über eine fläche von nicht einmal 360.000 quadratkilometern – also über weniger als ein viertel der fläche québecs. trotzdem leben in deutschland 82 millionen menschen. das macht ungefähr 230 menschen pro quadratkilometer.

ihr seht: die größenunterschiede sind gewaltig. und dabei ist québec nur eine von insgesamt zehn kanadischen provinzen (und drei weiteren territorien. ist alles ein bisschen kompliziert, ich weiß. so ganz genau verstanden habe ich es auch noch nicht… auf jeden fall gehören diese territorien nicht zu einer der zehn anderen provinzen.)

wie dem aber auch sei: wir sind jetzt an einem zentralen punkt angelangt. québec ist die größte provinz kanadas und gleichzeitig die einzige region des gesamten nordamerikanischen kontinents mit einer französischsprachigen mehrheit! und obwohl kanada sowohl das englische als auch das französische als offizielle amtssprachen anerkennt, ist die einzige offizielle sprache in québec – dreimal dürft ihr raten – französisch!

es geht aber noch weiter mit den sonderregelungen: seit 2006 ist québec offiziell als „nation im vereinten kanada“ anerkannt. in den vergangenen 30 jahren gab es sogar zwei referenden, bei denen über eine unabhängigkeit québecs von kanada abgestimmt wurde. beide sind zwar gescheitert, aber jeweils nur sehr, sehr knapp.

wie dem auch sei, jetzt habt ihr mal einen kurzen überblick über die komische gemengenlage, in der ich hier lebe und arbeite. diese permanente auseinandersetzung zwischen anglo- und frankophonen kanadiern schlägt sich nämlich nicht nur in der politik, sondern natürlich auch im alltag nieder. beispiele gefällig?

  • in montreal variiert die gesprochene sprache je nach stadtviertel. die meisten sind französischsprachig, es gibt aber auch englischsprachige – gerade rund um die beiden anglophonen universitäten.
  • beschilderung, werbeanzeigen, ansagen – alles ist zunächst mal auf französisch. wenn man glück hat, dann auch auf englisch. aber man hat eben nicht immer glück. das ganze geht sogar so weit, dass auf einem stopp-schild nicht das international gültige und verstandene „stop“ steht. hier heißt es „arrêt“.
  • bei unserem sender gibt es – wie in frankreich auch – eine musik-quote. 80 prozent der gespielten lieder müssen französischsprachig sein. keine leichte aufgabe, hier die musik auszusuchen – vor allem da die französische musikkompetenz eines deutschen normalerweise gegen null tendiert.
  • mcdonalds existiert hier nicht. ok, das ist jetzt vielleicht ein wenig übertrieben, aber mehr als zwei fillialen habe ich hier noch nicht gesehen. die ganzen großen amerikanischen fast-food-ketten fehlen hier. die einzige, die man hier des öfteren sieht, ist subways. ansonsten gibt es hier viele inhabergeführte restaurants oder ketten, die man eben einfach nicht kennt. das ist durchaus ein plus – aber eben nicht unbedingt das, was man von nordamerika erwartet…
  • die frankophone dominanz macht québec gerade bei franzosen sehr beliebt. die gehen ins ausland – sogar nach nordamerika! huihui…!!! – müssen aber nicht dieses komische und bei vielen nicht sonderlich beliebte englisch sprechen. vielleicht ist das aber auch besser so. hier beim sender habe ich sehr viele französische kollegen. und wenn die englisch sprechen, dann klingt das entweder grauenvoll oder geht nicht über den wortschatz eines grundschülers hinaus. oder beides. in frankreich wohl sehr beliebt: das kinderlied „heads and shoulders, knees and toes“. das können sie alle. leider. über die dauer eines ganzen abends kann das wirklich ermüdend werden… die waren total perplex als sie herausgefunden haben, dass ihr deutscher kollege ja nicht nur „super französisch“, sondern obendrein auch noch englisch sprechen kann. wahnsinn! und wenn die jetzt noch wüssten wie leicht mir das pfälzische über die lippen geht – die würden ausflippen ob dieser multilingualität!

soviel einfach mal zu den innerkanadischen unterschieden. ich bin mir aber sicher, dass ich am wochenende noch mehrere kennenlernen werde. samstag ist nämlich ausflugstag! auto ist reserviert und gemeinsam mit meiner lieblingsmitstipendiatin fabienne geht es mal ein wenig ins montrealer umland – allerdings nicht so weit. ihr wisst schon: die distanzen… ich bin auf jeden fall mal gespannt, was uns dort an eigenheiten erwarten wird.

bis dahin, yours truly – oder eben: veuillez agréer, madame, monsieur, l’expression de mes sentiments distingués…

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3 responses

20 09 2010
Icke

„und wenn die jetzt noch wüssten wie leicht mir das pfälzische über die lippen geht – die würden ausflippen ob dieser multilingualität!“

Mh, ein weiterer Beweis für den Bayer, wenn man die Muttersprache schon unter Fremdsprachen abtut… Da hast du was angerichtet. Weißst du mittlerweile wenigstens wie du deine ursprüngliche Heimat auf französisch beschreibst? 😉

20 09 2010
wortspieler

bien sur! c’est la rhénanie-palatinat! habe mich heute der neuen franzoesischen praktikantin auch genau so vorgestellt. problem: sie konnte damit rein gar nichts anfangen – mit muenchen schon…

das pfaelzische ist uebrigens keine fremd- sondern selbstverstaendlich die einzig wahre muttersprache!

20 09 2010
Icke

amen 🙂

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